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 Sonntagskohlfahrt
  (Norbert Hübner, Januar 2003)

Tiefster Winter, Wetter hässlich,
ein schriller Ton, sehr laut und grässlich,
alle Träume jäh durchbricht.
Die Kohlzeit kennt Erbarmen nicht.
Ach wie schön wär´s doch im Grunde,
„genusszukuscheln“ noch ´ne Runde,
um dann am frühen Nachmittag
zu brunchen was man gerne mag.
Doch Sonntag futsch, mit Ruh ist Schluss,
weil man auf die Füße muss,
zu tiefster Nacht dem Bett entsteigen.
Roten Rand die Augen zeigen.
Heut ist so ein verdammter Tag,
zu tun was man sonst gar nicht mag:
zu latschen, zu verquerten Zeiten,
Frohsinn tapfer zu verbreiten,
durch Regen, Sturmwind und Gematsche,
um anzuhören das Gequatsche
das andere, die Schmerz nicht kennen,
humorig Unterhaltung nennen.
Gegen Willen und Vernunft
trinkt bei der Zusammenkunft
ein jeder auf des andren Wohl,
Bier, Schnaps und andren Alkohol.

 


Sonntagskohlfahrt II
  (Norbert Hübner, Januar 2003)

Magen, Leber, Nieren, Galle,
die andren Körperteile alle,
sind gnadenlos jetzt ausgesetzt
dem Ultra-Mega-Härtetest.
Pinkel, Kochwurst, Kasslernacken,
ein Körnchen schnell dazwischenpacken,
Grünkohl mit viel Hafergrütze,
´nen Kurzen oben auf die Mütze,
ein Scheibchen Bauch passt noch hinein,
ein kleines Schnäpschen muss noch sein.
So hat man, kommt man dann nach Hause,
nach dieser wundervollen Sause,
das alles, was der Medikus
uns an Gesundem raten muss
verwirklicht voll zu seinem Besten.
So bleibt, von all den schönen Festen
die Kohlfahrt stets die wahre Krönung,
mit vollem Bauch und fetter Dröhnung
Und weil´s so toll und zünftig war
heißt´s gnadenlos im nächsten Jahr,
ob fußkrank, scheintod, andres Leid:
„Oh, du schöne Kohlfahrtzeit“!!!