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Der Caller I
(Peter Weber, Berlin)

Der Kommandeur, also derjenige, der die Kommandos ruft, (engl. der Caller) zu deutsch der Schreihals, ist eine ge-schlechtsneutrale Spezies, die eine besondere Ausprägung des Halsbereiches besitzen.

Frühe Exemplare dieser Rufer findet man in orientalischen Ländern, wo als Plattformen meist Türme errichtet wurden. Die für abendländische Ohren sehr gleichförmig klingenden, gesungenen Gebetsaufforderungen sind häufig genug akkustisches Vorbild für heutige Quadratsänger mit richtungsweisenden Textbausteinen. Die hohe Abstraktions-fähigkeit des Verbalanimateurs, unter Ausnutzung des Bewegungsdranges, des von der Natur als Fluchttier aus-geprägten Menschen, kennzeichnet die Qualität des Callboys oder -girls.

Intensive Selbstversuche inspirieren den Richtungs-protagonisten zu immer neuen, schier unmöglichen, geordneten Bewegungsabläufen, definiert durch vieldeutige Satzfragmente.

 


Der Caller II
(Peter Weber, Berlin)

Ein gesteigertes Exponentialbedürfniss beim Rufer ist nicht automatisch proportional zu seinem Marktwert, will sagen: ein schöner Caller ist nicht automatisch ein guter Caller. Aber umgekehrt stimmt es eben auch nicht.

Die Qualität eines Callers ist am ehesten messbar an seiner Fähigkeit, kollektive Schwächen der Bewegungstrans-formation der sich im unterwerfenden Tanzkonsumenten zu erkennen und dann doch nicht auszunutzen.

Mit anderen Worten: Von einem Caller werden über-menschliche Fähigkeiten erwartet und versprochen und selten genug auch gehalten.

Sollten sich jedoch strapazierfähige reaktionsschnelle Tänzer dem Genius des Caller würdig erweisen, entsteht auf beiden Seiten ein euphorischer Zustand, der anderswo nur mit chemischen Mitteln oder mit vergorenen Getränken erreicht werden kann.